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Kein Ort

Es war stockfinster. Kein Stern. Nur der Mond versteckte sich hinter den rasenden Wolken am Himmel und blickte bleich durch den grauen Vorhang, der ihn und mich trennte. Der Boden glitzerte feucht unter den blass-gelben Lichtkegeln der Laternen und hin und wieder unterbrachen auch die Scheinwerfer vorbeifahrender Autos die Schwärze. Ich ging denselben Weg, wie so oft. Bergab, erheitert durch einen wunderbaren Abend mit Freunden. Auch wenn ein wenig Wehmut immer und immer wieder nebenbei daher schleicht und mich an allem und jedem zweifeln lässt. Der Weg schlängelte sich zwischen den Wohnblocks durch, sodass ich einen guten Blick auf unglaublich viele Fenster und Leben hatte. Einige ruhten bereits, umgaben sich mit Dunkelheit und andere wachten und umgaben sich mit dem unruhigen Licht des Fernsehers, Computers oder was auch immer sie gerade um sich hatten. Keine Menschenseele war zu der Zeit und dem Wetter noch unterwegs. Regen, Sturm, Kälte. Ich zog meine Schultern etwas höher und ebenso meinen Schal, der mit jedem Zupfen ein Stückchen Wärme an meine Haut brachte. Der Wind pfiff mir um den Körper und zerzauste meine Haare, die unter meiner Mütze hervor lugten. Ich zog meine Mütze ein wenig tiefer, damit meine Ohren nicht kalt wurden. Der Weg wurde eben und weiter geradeaus führte er nach ein paar Hundert Metern zu einem warmen Haus und einem warmen, wohlig-weichen Bett. Meine Schritte wurden schneller. Ich war durchgefroren, müde- meine Bestimmung war es, gleich im Bett zu liegen und in eine Art Koma zu fallen, das bis zum nächsten Morgen, nein, zu diesem (etwas späteren) Morgen anhalten sollte. Kurz vor der Straße, die es noch zu überqueren galt, wurden meine Schritte langsamer. Dann stand ich an der Straße. Der Asphalt glitzerte gelblich-milchig und schwarze, filigrane Silhouetten tanzten auf der anderen Seite. Eine Windböe erfasste mich und zerrte wütend an mir. Ich stand da, blickte auf die Straße, blickte in Richtung meines Zuhauses, dann hinauf zum Himmel, wo sich unterschiedlichste Grautöne voneinander absetzten und in Fetzen dahin zogen. Ich schloss die Augen. Öffnete sie wieder und blickte die Straße hinab. Irgendwo dort hinten, nur ein paar zusätzliche Hundert Meter weiter begann die Förde. Nur ein paar hundert Meter. Ich blickte die Straße hinauf. Niemand war da. Ich war der einzigste Mensch. Niemand da. Außer mir. Mein Blick wanderte wieder in Richtung Zuhause. Im selben Moment drehte ich mich und ging einfach hinunter. Zum Wasser. Zum Meer. Ich verstand es selbst nicht. Es war ein Drang, der meine Müdigkeit, meinen Wunsch, mich wieder aufzuwärmen, überwältigte. Das Rauschen in den Bäumen, das Knacken und Knirschen begleitete mich. Unwetter. Ich ging schnell, doch spürte es kaum. Ich merkte nur, wie rasch ich den ganzen Weg hinter mich brachte. Der einzige Mensch in dieser Nacht. In der Kaserne neben dem alten Bunkergebäude brannte Licht im Fenster und ich sah sogar zwei Wachsoldaten am Eingang. Sie erschienen so fern und bemerkten mich nicht, als ich vorüber ging. Ich war ein Geist. Nicht mehr als der Wind, der vorüber strich. Keine Autos und keine Menschen mehr in Sicht, ich hörte das Wasser der Förde. Und dann war ich angelangt. Ich ging am Ufer entlang. Links von mir das Wasser, rechts von mir die Parkanlagen, umschlossen von riesigen, schwarzen langfingrigen Gestalten, die sich ächzend im Wind bewegten. Ich konnte nicht sehen, was sich hinter ihren Schatten verbarg, es war, als existierte dahinter nichts als das, was der menschliche Verstand sich ausmalen, aber nicht definitiv feststellen konnte. Nach einer Weile blieb ich stehen. Der Wind zog an meiner Kleidung und mein Mantel flatterte im Rhythmus der Böen, die mich erfassten. Ich hielt meine Mütze auf meinem Kopf, zog sie noch ein Stückchen weiter runter. Meine Hände wanderten zu meinem Schal, der kleine Öffnungen für den Wind bot und zogen ihn wieder zurecht, sodass meinen Hals nur noch Wärme umschloss. Mein Blick hing an der scwharzen Masse, die sich brausend dort unten bewegte. Es roch nach Salz und mit jeder Böe wurde der Geruch erneuert. Ich atmete tief ein. Die Lichter der anderen Uferseite schienen so fern und fremd, als wollte sie mich locken. Aber ich wollte mich gar nicht mehr von der Stelle rühren. Ich spürte den Sog in der Luft, als ab und an Autos an mir vorbei fuhren. Ihre Lichter warfen einen schwachen Schein auf die Steinreihe vor meinen Füßen, die mich von der schwarzen Wassermasse, welche nur ein kleines Stückchen unter der Kante wütete, trennte. Ich atmete tief ein und aus. als ich zur Seite blickte sah ich in der ferne zwei Schatten am Ufer entlang wandern. Fort von meinem Standort. Einsamkeit. Ich blickte wieder hinaus. Dorthin, wo keine Lichter mehr waren. Kein Gedanke hielt sich lange genug und mir war in dem einen Moment nach Weinen, woraufhin mir in dem anderen Moment nach Lachen zumute war. Ich sollte nach Hause. Nach Hause. "Nach Hause"? Zuhause? Wie befremdlich dieser Ausdruck erschien. Und jetzt gerade, in diesem Moment, dort am Wasser zu stehen. es erschien genauso befremdlich, dies zu tun, wie an ein "Zuhause" zu denken. Wieso? Ich stand da und mir ging nur ein "Wieso?", ein mit großen Augen fragendes "Wieso?" durch den Kopf. Dann drehte ich mich auf den Absatz um und ging langsam in Richtung meines "Zuhauses"- selbst, wenn es sich in dem Moment nicht als solches anfühlte. Sowieso fühlte sich nichts wirklich "richtig" oder "wahrhaftig" an. Irgendetwas war verkehrt, verquer. Nur was? Ich ging den ganzen Weg zurück. An der Haustür angelangt, ließ ich die geisterhaften Schatten und das Rauschen des Sturms und des Meeres weit hinter mir.

Zurück. Ich war zurück. Und doch nicht. Ich fühlte mich nicht so. Erklären konnte ich es nicht, vielleicht wollte ich es auch nicht. 

Als ich im Bett lag, dachte ich noch kurz darüber nach, ob ich nicht doch irgendwie einer Art Wahnsinn verfallen sei, aber es war mühselig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Also versuchte ich zu schlafen. Dann war ich weg.

 

12.1.12 18:39
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


flo / Website (13.1.12 09:57)
(=
wie viele leute dich hier wohl bei diesem spaziergang im nachhinein begleitet haben? ...


ich (13.1.12 14:40)
^^ Tja...Interessante Frage... Ob ich darauf jetzt eine Antwort bekomme, wer weiß... :D

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